Vom Kinderwunsch zum Wunschkind

Der Traum vom gemeinsamen Kind ist in der Lebensplanung vieler Paare tief verwurzelt. Doch manchmal erfüllt sich dieser Traum trotz aller Hoffnungen und Bemühungen nicht von selbst. Die Entscheidung, professionelle medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, erfordert oft viel Mut. Das ist jedoch der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Wunschkind. Denn ebenso vielfältig wie die Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit sind heutzutage auch die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Österreichweit entscheiden sich jährlich mehr als 7.600 Paare für eine künstliche Befruchtung. Für viele von ihnen ist dies die einzige Chance, um ihr Familienglück zu vervollständigen.


Komplettangebot von der Diagnose über die Behandlung bis zur Geburt

Das Kinderwunschzentrum Feldkirch ist seit der Gründung im Jahr 1985 eine wertvolle Anlaufstelle für betroffene Paare. Die medizinische und forschungstechnische Einrichtung ist in die bestehende Infrastruktur der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Landeskrankenhaus eingebettet. Das erlaubt eine enge Zusammenarbeit, sodass auch werdende Mütter bei Bedarf rund um die Uhr sicher versorgt sind.


Durch eine fächerübergreifende Kooperation mit der Abteilung für Urologie werden zudem gezielt andrologische Faktoren betreffend die Fruchtbarkeit beim Mann abgeklärt. „So können wir das gesamte Leistungsangebot für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch von der Erstberatung über die pränatale Diagnostik bis zur Geburt unter einem Dach anbieten“, sagt Oberarzt Dr. Norbert Loacker, Leiter des Kinderwunschzentrums am LKH Feldkirch, „und natürlich verschiedene Leistungen im Bereich der künstlichen Befruchtung.“


Vor allem auch Endometriose-Patientinnen sind in Feldkirch in guten Händen. „Im Zusammenhang mit unerfülltem Kinderwunsch spielt diese chronische Erkrankung, bei der es zu einer zwar gutartigen, aber oft schmerzhaften Wucherung von Gebärmutterschleimhaut kommt, eine schwerwiegende Rolle“, weiß Prim. Dr. Burghard Abendstein, Vorstand der Schwerpunktabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, zu welcher neben dem Kinderwunschzentrum auch das Vorarlberger Endometriosezentrum gehört. „Stellt sich bei Frauen mit der Diagnose Endometriose auf natürlichem Wege keine Schwangerschaft ein, können ihnen unsere Expert:innen im Kinderwunschzentrum in vielen Fällen weiterhelfen.“

 

Hohe Schwangerschaftsrate und Patient:innenzahl

Im Jahr 2023 entschieden sich 430 Paare erstmals für eine Kinderwunschbehandlung. Mit ihnen und den bereits zuvor betreuten Paaren führte das Team des Kinderwunschzentrums insgesamt 889 Behandlungszyklen durch, davon 516 Eizellenentnahmen (Follikelpunktionen) und 373 Kryozyklen (Übertragung gefrorener Embryonen). Insgesamt wurden 759 Embryotransfers verzeichnet. 1326 Embryonen wurden kryokonserviert, für einen späteren Embryotransfer eingefroren und gelagert. „Mit einer kumulativen Schwangerschaftsrate vom 45 Prozent konnten wir unser hohes Niveau halten, die Zahl der Patient:innen ist ebenfalls konstant geblieben“, zieht Dr. Loacker eine positive Bilanz.


Mehr als zwei Drittel der Frauen, die sich in Feldkirch künstlich befruchten ließen, waren zwischen 30 und 39 Jahre alt. „Wobei die Schwangerschaftsraten pro durchgeführtem Embryotransfer zeigen, dass die Erfolgschance mit steigendem Alter bis zur Gruppe der 39-Jährigen nur minimal sinkt“, ergänzt Dr. Loacker. Auch die Schwangerschaftsrate der über 40-Jährigen sei im Vergleich immer noch überdurchschnittlich hoch.


Geburtenrate über dem Durchschnitt

Insgesamt 201 Kinder haben 2023 nach In-vitro-Fertilisation am Kinderwunschzentrum das Licht der Welt erblickt. „Das entspricht einer ‚Baby-take-home-Rate‘ von knapp 34 %, womit wir österreichweit wieder deutlich über dem Durchschnitt liegen“, freut sich Dr. Loacker über die Erfolgsquote. Gleichzeitig wurden die aus medizinischer Sicht für Mutter und Kinder mit einem erhöhten Risiko verbundenen Mehrlingsschwangerschaften stark reduziert. „Die Zwillingsrate konnte im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert werden und stellt mit lediglich 3,9 Prozent einen Spitzenwert dar – sowohl im österreichischen als auch internationalen Durchschnitt“, so der Reproduktionsmediziner.


Seit 2010 ist das Kinderwunschzentrum – übrigens als erste Einrichtung dieser Art in Vorarlberg – gemäß EN ISO 9001:2015 zertifiziert. Risiken in diesem äußerst sensiblen Tätigkeitsbereich werden dadurch minimiert, Patient:innen können auf beste medizinische Versorgung in höchstmöglicher Qualität vertrauen. 2023 wurde das Kinderwunschzentrum im Rahmen der jährlichen internen und externen Audits erneut erfolgreich rezertifiziert. Der hohe Standard werde laut Dr. Loacker auch von offizieller Seite bestätigt: „Im Ranking des In-vitro-Fertilisation-Registers des Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen gehören wir zu den führenden Kinderwunschzentren in ganz Österreich.“


Knapp ein Drittel der Patient:innen aus dem Ausland

Die überdurchschnittlichen Erfolgsaussichten verbunden mit umfassender, einfühlsamer Betreuung haben dem Kinderwunschzentrum Feldkirch weit über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf verschafft. Knapp 30 Prozent aller Patient:innen stammen aus dem Ausland, vor allem aus dem Drei-Länder-Eck und hier insbesondere aus der Schweiz.


Die Mehrheit der Paare, die sich für eine Kinderwunschbehandlung in Feldkirch entscheiden, wird vom Fonds zur Finanzierung der In-vitro-Fertilisation (IVF-Fonds) finanziell unterstützt. Lediglich etwas mehr als ein Drittel erfüllt die Fördervoraussetzungen nicht und hat die Kosten für Behandlung selbst zu tragen. Darunter fallen sämtliche Patient:innen aus dem Ausland, die nicht in Österreich krankenversichert sind.


Seit 2023 Behandlungen mit Spendersamen

Und das Behandlungsspektrum am Kinderwunschzentrum entwickelt sich Dank der Kompetenz und Innovationskraft des siebenköpfigen Teams laufend weiter. Unter anderem wurde Anfang 2023 die Behandlung mit Samenspenden etabliert. Dr. Norbert Loacker spricht in diesem Zusammenhang von einem Meilenstein: „Damit können wir nun auch lesbischen Paaren Behandlungsmöglichkeiten bieten.“


Eine wichtige Aufgabe des Kinderwunschzentrums ist außerdem die Fertilitätsprotektion, der Schutz der Fruchtbarkeit beispielsweise vor zellschädigenden Behandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlung. Dazu Dr. Loacker: „Bei insgesamt 23 erkrankten Männern und Frauen, zumeist Tumorpatient:innen, konnten wir im vergangenen Jahr durch Kryokonservierung ihrer Samen- beziehungsweise Eizellen die Chance aufrechterhalten, ein eigenes Kind zu zeugen oder auszutragen.


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